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Erste Hilfe mit Homöopathie


von Dr. med. Jürgen Faust Erste Hilfe mit Homöopathie:  Folge 4

Magen-Darm-Verstimmung und Lebensmittelvergiftung

Nachdem wir uns in den beiden ersten Folgen - HO-aktuell Nr. 4/2000 (Seiten 1, 2 und 8) und Nr. 1/2001 (Seiten 4 und 5) - mit Unfällen beschäftigt haben sowie in Folge 3 mit der Behandlung von Insektenstichen und Allergien - HO-aktuell Nr. 2/2001 (Seite 8) - befaßten, wollen wir uns in dieser vierten und letzten Folge einem Krankheitsbild zuwenden, das gerade im Sommer, zur Reise- und heißen Jahreszeit immer wieder Sorgen bereitet: Magen-Darm-Verstimmung und Lebensmittelvergiftung.

Lebensmittelvergiftung

Damit ist nicht gemeint, daß jemand absichtlich Lebensmittel vergiftet hat und man nun Opfer dieser kriminellen Tat geworden ist. Es geht vielmehr um ganz normale Lebensmittel, die auf Grund der Sommerzeit zu schnell schlecht geworden sind und deshalb zu Vergiftungserscheinungen führen.

Fleisch, Wurst und Fisch sind hierfür an erster Stelle zu nennen. In der Hitze vermehren sich Bakterien rasend schnell in den Lebensmitteln und dringen beim Genuß dieser Speisen in den Organismus ein. Dort vermehren sie sich weiter, infizieren den Magen-Darm-Trakt und quälen einen mit den typischen Krankheitserscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber und Schwäche.

Außerdem können verschiedene Bakterien in den Lebensmitteln selbst schon Giftstoffe (Toxine) produzieren, die für den Menschen giftig sind und zu ähnlichen Symptomen führen. Die übermäßige Anzahl von Bakterien kann man durch gründliches Erhitzen - kochen, backen, braten - reduzieren, so daß die Speisen ungefährlich werden. Den Geschmack wird man dadurch nicht retten können. Stellen Sie sich nur einmal die Unterschiede zwischen einem frisch gefangenen und einem eine Woche alten Fisch vor. Tückisch sind jedoch Toxine. Sie können durch Erhitzen nicht beseitigt werden. Darüber hinaus ist Vorsicht geboten bei verschiedenen Meerestieren. So können Muscheln z.B. Viren enthalten, die verschiedene Krankheiten auslösen können. Da Muscheln manchmal roh gegessen werden, ist es besonders gefährlich.

Aber ich muß ganz deutlich darauf hinweisen, daß schwere Magen-Darm-Erkrankungen und Vergiftungen natürlich in die ärztliche Obhut gehören.

Von der homöopathischen Therapie her spielt es keine so große Rolle, ob Viren, Bakterien oder Toxine die Ursache sind. Man geht von den Symptomen aus.

Arsenicum album C 30

Das wichtigste Arzneimittel ist Arsenicum album C 30. Jawohl, Sie haben recht gelesen: Arsen. Keine Sorge, Sie können sich damit nicht vergiften; es hilft nach dem homöopathischen Ähnlichkeitsgesetz. Ähnliches heilt Ähnliches. D.h.: Arsen würde in hohen Dosen ähnliche Vergiftungssymptome erzeugen wie diese Lebensmittelvergiftungen. Deshalb hilft es.

Wie sieht das Krankheitsbild von Arsenicum album nun aus? Sie müssen sich vorstellen, Sie hätten ein zu altes, schon leicht grün angelaufenes Stück gekochten Schweineschinken gegessen. Oder einen Fisch, der eindeutig zu alt war und schon arg „fischig“ gerochen hat.

Symptome eines „Arsen-Bildes“

Zuerst tritt eine Übelkeit vom Magen her auf. Man hat das Gefühl, etwas liegt sehr schwer im Magen und kann nicht verdaut werden. Es folgt Brechreiz, dann wirkliches Erbrechen, das gar nicht aufhören will. Weitere Brechattacken, obwohl schon längst nichts mehr im Magen ist, schwächen zusehends. Die Gesichtsfarbe wechselt nach grau bis grau-grün, ein Gefühl von „Totenelendigkeit“ macht sich im Patienten breit. Ihm ist kalt, er zittert, kalter Schweiß tritt auf die Stirn. Angst steigt auf und befällt den Patienten, denn gefühlsmäßig ist ihm klar, daß da etwas Schlimmes im Gange ist. Totenelendig heißt, es geht einem so schlecht, daß man das Gefühl hat, gleich sterben zu müssen.

Das muß natürlich bei weniger schlimmen Lebensmittelvergiftungen nicht so sein, aber dieses Gefühl ist typisch für das Arzneimittelbild Arsenicum album. Dazu kann Durchfall kommen, Darmkrämpfe, totale Kraftlosigkeit und eine ungeheure Angst - Angst, alleine zu sein, allein gelassen zu werden, zu sterben.

Die Patienten wollen unbedingt, daß jemand in der Nähe ist, er darf nicht weggehen. Am besten der Arzt, ein naher Angehöriger - sie vermitteln Sicherheit.

In diesem Zustand wirkt eine Gabe Arsenicum album C 30 (fünf Globuli) wahre Wunder. Innerhalb kürzester Zeit kehrt Ruhe ein, die ungeheure Unruhe und Angst weicht. Die Totenelendigkeit weicht, die Kälte macht einem warmen Gefühl Platz, Zittern und Schweiß werden weniger und der Patient fällt in einen erholsamen Schlaf. Ist er wieder wach, kann er es gar nicht glauben, daß es ihm schon wieder so gut geht, daß es überhaupt so gut ausgegangen ist. Manchmal ist es nötig, noch eine zweite Gabe Arsenicum zu geben, die Energie einer Gabe scheint nicht auszureichen.

Nux vomica C 30

Bei Nux vomica ist ebenfalls der Magen der Hauptangriffspunkt. Aber hier spielen weniger vergiftete Nahrungsmittel die Rolle. Grund ist eher ein Zuviel an Genußmitteln oder auch „Drogen“.

Besonders im Urlaub ist man gerne bereit, mal über die Strenge zu schlagen: Zu viel Essen, weil es gar so gut ist, zu viel Wein, zu viele Zigaretten. Wenn dann der Magen-Darm-Trakt mit Brechreiz und Durchfall reagiert, ist Nux vomica C 30 angezeigt.

Besonders typisch ist dabei, daß zwar ein starker Brechreiz würgt, aber der Geplagte nicht brechen kann, obwohl er das Gefühl hat, es würde ihm gut tun. Dazu kommt von der Psyche her eine starke Gereiztheit.

Pulsatilla C 30

Die Kühchenschelle, wie sie zu deutsch heißt, ist da eher sanfteren Gemütes. Ursachen sind hier zu fette Speisen - besonders zu viel fettes Schweinefleisch, aber auch ungewohnt viel Olivenöl u. ä.

Außerdem sind zu große Portionen Eiscreme, die den erhitzten Organismus im Magen abkühlen, Auslöser für eine Pulsatilla-Symptomatik. Diese „Diätfehler“ wiegen besonders schwer, wenn Hitze und direkte Sonne dazukommen. Das verträgt Pulsatilla gar nicht. Pulsatilla braucht Abkühlung und einen leichten Wind.

Sonnenstich

Pulsatilla verträgt zwar keine Sonne, ist aber nicht das typischste Mittel bei einem Zuviel an Sonne - einem Sonnenstich. Hier brauchen wir Belladonna C 30.

Sie kennen sicher das Bild: hochroter, heißer, glühender Kopf, Fieber, Fieberphantasien, kalte Hände und Füße. Meist trifft es Kinder, aber manchmal auch unvernünftige Erwachsene, die besonders schnell und intensiv braun werden wollten. Kopfbedeckung und schattenspendende Bäume sind verpönt - schon ist es passiert. Hier hilft eine Gabe Belladonna C 30 - schnell geht es besser.

Kreislaufkollaps

Besonders im Sommer kommt es zu Kreislaufschwächen. Vielleicht zu wenig getrunken, zu viel geschwitzt, zu viel Salz verloren, am Vortag zu viel Alkohol - der Kreislauf bricht zusammen.

Kälte, Zittern, kalter Schweiß, vor allem Schwäche. Zu schwach, sich auf den Beinen zu halten, Schwarzwerden vor Augen. Dazu kann Durchfall kommen. Veratrum album C 30 bringt diesen Kreislaufkollaps wieder in Ordnung.

Sommer-Urlaubs-Diarrhoe

Fremde Länder - fremde Bakterien. Nach diesem Muster passiert es immer wieder. Der mitteleuropäische Darm hat sich noch nicht an die ihm fremden Bakterien in Wasser und Essen gewöhnt. Der Anpassungsvorgang läuft oft dramatisch ab. Der lang ersehnte Urlaub in heißen fernen Ländern findet nicht am Strand oder der Bar statt, sondern auf dem WC.

Die Durchfälle sind häufig, schwächend, krampfartig schmerzhaft. Der Stuhl spritzt explosionsartig heraus: ein typisches Bild für Podophyllum.

Podophyllum C 30, eine Gabe fünf Globuli, eventuell öfters zu wiederholen. Dazu ist für ausreichend Flüssigkeitsnachschub und Mineralienersatz zu sorgen, und besonders bei einem blutigen Durchfall ist ein Arzt zu konsultieren.

Veratrum album C 30 ist hier angezeigt, wenn neben dem Durchfall die Kreislaufsymptome (siehe vorstehend) im Vordergrund stehen.

Nux vomica C 30 bei Durchfall mit Krämpfen, besonders wenn die Krämpfe gegen die Darmentleerung wirken. Man hat das Gefühl, die Krämpfe lassen den Darm in die entgegengesetzte Richtung arbeiten, der Darm wird trotz Durchfall gar nicht leer.

Arsenicum album C 30, wenn mehr verdorbene Lebensmittel als Ursache in Frage kommen. Kälte, kalte Schweiße, große Unruhe, Schwäche (siehe vorstehend).

Wichtiger Hinweis

In einem kurzgefaßten Artikel ist es natürlich schwer, alle Entscheidungskriterien ganz ausführlich so zu beschreiben, daß ein Laie sie auch im Krankheitsfall sicher anwenden kann. Deshalb gilt: Hilft ein Arzneimittel nicht, probieren Sie das nächste, das Ihnen von der Symptomatik geeignet erscheint. Schaden kann ein nicht wirkendes Arzneimittel nicht. Hat ein Mittel geholfen, läßt aber in der Wirkung nach, wiederholen Sie die Gabe. Erst wenn diese Wiederholungen nicht mehr wirken, probieren Sie ein Neues.

Mit diesem vierten und letzten Teil möchte ich die Serie schließen. Ich hoffe natürlich, daß Sie niemals in eine Lage geraten, wo diese Notfallmittel nötig werden. Aber falls doch? Mit den homöopathischen Kügelchen haben Sie ein Hilfsmittel in der Hand, um in vielen Notsituationen schnell und ungefährlich helfen zu können - und denken Sie daran: Wird es zu schwierig, ziehen Sie einen Arzt zu Rate.

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