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Familientherapie nach Bert Hellinger


Homöopathie und Systemische Therapie nach Bert Hellinger

von Dr. med. Adriana Raslan

Es gab in den letzten Jahren nichts, was mich so sehr berührt hat wie die Arbeit von Bert Hellinger und seine Methode des Familienstellens, um verborgene Liebe sichtbar zu machen und, wenn möglich, in heilende bewußte Liebe zu transformieren.

Bert Hellinger fand in seiner langjährigen Arbeit, daß wir untrennbar mit unserem Familiensystem als Ganzes verbunden sind - auch wenn wir das manchmal gar nicht wissen oder wahrhaben wollen. Wir sind verbunden mit allen Mitgliedern des Systems - sowohl mit jenen, die noch leben, als auch mit den Gestorbenen, mit jenen, die durch Trennung Platz gemacht haben, und manchmal auch mit jenen, deren Verluste Menschen aus unserem Familiensystem zum Vorteil gereichten. Dazu ist es nicht nötig, diese Personen zu kennen oder von ihnen zu wissen. Innerhalb des Familiensystems wirkt eine Kraft, die allen Dazugehörenden den ihnen gebührenden Platz zuweist und die Achtung derer erzwingt, die nicht geachtet werden, wie die Vergessenen (z. B. frühere Partnerinnen und Partner, früh gestorbene Kinder) oder die Ausgeschlossenen (z. B. der alkoholabhängige Vater oder die psychisch kranke Tante...). Mit unserem Verhalten, Erleben und auch mit Krankheiten werden oft solche Schicksale unbewußt nachgelebt. Dies tun die „Späteren“, die später Geborenen, für die „Früheren“, d.h. die früher Geborenen. Die von Bert Hellinger gefundenen „Ordnungen der Liebe“ verlangen aber, daß alles das, was zu den Früheren gehört, auch dort bleibt! Aus blinder, weil unbewußter Liebe können Kinder, in deren Familien Angehörige schwer erkrankt oder gestorben sind, selbst sterben wollen - diese Dynamik kann z. B. sein: „Ich folge dir nach in den Tod, liebe Mama“ oder „Lieber sterbe ich als du“. In den Familienaufstellungen zeigen sich derartige Verstrickungen und auch die Lösungen - die Liebe, die so ans Licht gebracht wird und dann bewußt fließen kann, die Achtung und Würdigung der Schicksale der anderen, der bewußte Verzicht auf das Nachleben des Leides der Früheren und das Annehmen des Eigenen.

Viele Gemeinsamkeiten

Die Verbindung mit den leiblichen Vorfahren kennen wir Homöopathen als Miasma, der Nachweis, daß wir auch mit den anderen Mitgliedern des Systems verbunden sind, geht er über die klassischen Miasmen hinaus. Es ist aber auffallend, wieviel die systemische Arbeit Bert Hellingers und die Homöopathie gemeinsam haben:

  1. Sie sind beide eine phänomenologische Wissenschaft, d.h. sie gehen von dem aus, was sich zeigt.

  2. Sie arbeiten beide mit heilenden Anstößen und warten dann ab.

  3. Es kommt Vergessenes ans Licht.

  4. Dem heilenden Impuls wird vertraut; er braucht einige Zeit, um zu wirken, die wartet man ab.

  5. Er darf nicht zu schnell wiederholt werden.

  6. Man weiß nicht genau, wie es wirkt, aber man kann beobachten, daß es wirkt.

Ich verbinde seit 1999 die Methode des Familienaufstellens auch mit der Homöopathie, indem ich repertorisiere (Methode von Bönninghausen) und zusätzlich über die Kinesiologie und über Aufstellen in Einzelarbeit Zugang zu systemischen Verstrickungen im Zusammenhang mit der Erkrankung finde. Dies fließt in die Mittelwahl mit ein.

Das angesagte Mittel: Tuberculinum

Wenn man um die „Bewegungen der Seele“ nach Bert Hellinger weiß, kann man die Entscheidung für ein Mittel oft sicherer treffen - natürlich nur, wenn die sonstigen Symptome passen. So wählte ich z. B. Tuberculinum C 200 für einen zweieinhalbjährigen Jungen mit fieberhaftem Infekt und quälendem nächtlichen Husten. Das Kind hatte schon zwei verschiedene Antibiotika bekommen und der Kinderarzt wolle jetzt ein drittes geben, da er eine Pneumonie befürchtete. Die Mutter hatte dem Kind schon aus ihrer homöopathischen Hausapotheke Drosera gegeben, was aber nicht half. Für mich letztlich entscheidend für die Mittelwahl war, daß der Vater des Kindes an Leukämie erkrankt ist und es ihm nicht gut geht. Ich interpretierte die Krankheit des Jungen daher als möglicherweise auch aus Liebe entstanden, als den Wunsch, anstelle des Vaters zu sterben - „lieber gehe ich als du, lieber Papa“ - und gab Tuberculinum C 200 (Sehnsucht nach dem Tod). Das Kind schlief die erste Nacht seit langem ohne Hustenanfälle!

Beispiel: Methode der Verbindung Homöopathie - Familienaufstellen

Im Folgenden ein Beispiel von einer jungen Frau, an der ich meine Methode der Verbindung Homöopathie - Familienaufstellen näher erläutern möchte:

Die Patientin, geboren 1980, kam erstmals im März 2000 zu mir wegen Prüfungsangst und Schlafstörungen. Außerdem habe sie Schmerzen zwischen den Schulterblättern. Ihre Mutter war bei mir bei einem Familienstellen-Wochenendseminar gewesen, sie war als teilnehmende Beobachterin dabei. Aus der Familienanamnese wichtig war, daß die Mutter der Mutter an einem Gehirntumor starb und nach Aussagen der Mutter nie fröhlich gewesen sei. Die Mutter selbst ist sehr perfektionistisch, hat hohen Blutdruck und Übergewicht. Die Patientin, gefragt, was ihr Behandlungsziel sei - antwortet: trotz der vielen Lernerei wieder Freude am Leben haben können. Ich lasse sie diesen Satz sagen und teste kinesiologisch nach: das „keine Freude haben“ verbindet sie mit der Mutter der Mutter, die auch nie froh war. Dies ist ein sogenanntes übernommenes Gefühl. Interessant ist vom Befund her, daß auch eine Skoliose vorliegt mit Blockade Th 2 / Th 3, den Segmenten, die mit dem Herzen in Beziehung stehen! In der TCM gehört die Freude auch zum Herzfunktionskreis! Die Lösung, die wir hier fanden, war, daß sich die Patientin die Großmutter vorstellt und ihr sagt: „Liebe Oma, ich freue mich jetzt für dich mit“. Dies fand die Patientin sehr erleichternd. Obwohl Pulsatilla hier ganz vorn war und gut paßte, habe ich mich für Ignatia C 1000 entschieden, da ich die Beobachtung gemacht habe, daß übernommene Gefühle ja oft Gefühle aus der Vergangenheit sind, entsprechend dem Ignatia-Bild des chronischen Kummers, der nicht vorbeigeht und es ist, als ob es gerade erst passiert sei. Wenn es sich um einen aktuellen Identifikationsprozeß handelt, d.h. wenn der, dessen Schicksal man tragen will, noch lebt, paßt manchmal eher Phosphor. Die Patientin machte danach ihr Abitur wie gewünscht mit der Note 1.

Im November 2000 sehe ich sie wieder. Sie hat nach anfänglicher Begeisterung zunehmend Probleme am Studienort. Mal geht es ihr super, mal kann sie gar nicht lernen, weil sie denkt, sie falle ja sowieso durch. Sieht keinen Sinn mehr, kein Ziel im Studium, es gäbe so viele, die besser seien als sie. Sie könne kein Buch öffnen, ohne sich zu sehen, wie sie durch die Prüfung fällt. Auch habe sie Heimweh. Habe auch noch keinen Freund, immer noch nicht. Noch nie einen gehabt. Sie vergleicht alle Männer mit einem „Traummann“. Auch habe sie wieder Rückenschmerzen. Angst habe sie keine, aber könne auch wieder oft nicht einschlafen.

Erstellung einer Aufstellungsarbeit

Wir beginnen eine Aufstellungsarbeit: es gibt Symbole aus Papier, eckige Symbole für Männer und runde Symbole für Frauen.

Sie soll ein Symbol für sich wählen und es im Raum plazieren und eines für die Universität (dafür wählt sie ein männliches Symbol).

Wir stellen uns nacheinander auf den jeweiligen Platz. Die Patientin bekommt Herzklopfen beim Blick auf die Universität. Auf dem Platz der Uni habe ich ein eigenartiges Gefühl, das ich nicht deuten kann und erst später verstehe.

Ich nehme die Eltern dazu, was aber nichts an dem Herzklopfen ändert. Vom Platz des Vaters aus ist eher so ein Gefühl zu spüren wie: „Da kann ich nichts machen“; vom Platz der Mutter aus kommt mir der Satz: „Stell dich nicht so an“. Die Patientin bestätigt, daß dieses durchaus eine Reaktion sei, die sie von der Mutter kenne. Ich stelle mich auf den Platz der Patientin und schaue auf die Uni: Jetzt wird es klarer: die Gefühle zur Uni würden eher zu einem Mann passen! Ich sage der Patientin: „Sie verwechseln die Uni mit einem Mann, daher das Herzklopfen.. .„ Sie stimmt mir sehr bewegt zu, genau, sie habe gedacht, dort würde sie sofort einen Freund haben... Die Patientin steht auf ihrem Platz, ich stelle mich auf den Platz der Universität und sage zu ihr: „Ich bin nur deine Universität. Der Platz, wo du studierst. Mehr nicht.“ Dann lasse ich sie zu der Uni sagen: „Ich sehe dich jetzt nur noch als Uni - mehr nicht.“ Das tut ihr gut, der Herzschlag beruhigt sich.

Sie möchte aber noch etwas tun bezüglich Partnerschaft. Ich beendete erst mal die Aufstellung und ließ dann die Patientin sagen: „Ich bin gut genug für einen Mann“ - kinesiologisch testete das mit Streß. Dann ließ ich sie sagen (in Erinnerung an den „Traummann“): „Es gibt einen Mann, der gut genug ist für mich“ - auch das testete mit Streß.

Ich ließ die Patientin nochmals Symbole für ihre Eltern auswählen und ihnen sagen: „Papa, ich bleib dir treu - für mich ist keiner gut genug.“ Und nach einer kleinen Weile: „Mama, auch dir bleib ich treu - ich bin für keinen gut genug.“

Diese Sätze, die mir spontan in den Sinn kamen, klingen zwar hart, wurden aber von der Patientin als sehr stimmig empfunden. Ich stellte dann nochmals ein Symbol für die Universität und eines für einen potentiellen Partner auf und ließ sie von einem zum anderen schauen... (im Nachhinein bin ich nicht sicher, ob diese Intervention nicht auch im Sinne der Energiekonzentration besser weggelassen worden wäre).

Zum Abschied sagte ich ihr, was ich einmal von Bert Hellinger gehört habe, bezüglich Traummännern und Traumfrauen: Er sagte damals der Klientin, er habe herausgefunden, wie man mit solchen Träumen umgehe... Man wache auf!

Die Patientin erhielt Pulsatilla C 1000 und es geht ihr gut. Sie war im Januar 2001 nochmal da wegen Rückenbeschwerden und erhielt Pulsatilla D 12, 3 x täglich für eine Woche (da sie psychisch keine Symptome berichtete, habe ich eine niedrige Potenz gewählt). Wegen der Skoliose muß sie natürlich auch regelmäßig Gymnastik machen. Von einem Freund weiß ich (noch) nichts. Die Mutter der Patientin war ebenfalls sehr begeistert von der Wirkung der „Zauberkügelchen“.

Sicher gibt es genug ähnliche Behandlungsbeispiele, wo das homöopathische Mittel auch ohne Aufstellungsarbeit wirkt. Meiner Auffassung nach befruchten sich jedoch die beiden therapeutischen Methoden gegenseitig: Das homöopathische Mittel kann besser wirken, weil eine blockierte Energie befreit wird, und der Prozeß des Loslassens von Verstrickung wird durch das homöopathische Mittel unterstützt.


Systemische Therapie: Form der Familientherapie, bei der wesentliche Beziehungs- und Systemkräfte innerhalb der Familie erfaßt werden sollen, um sie therapeutisch zu nutzen; die Teammitglieder arbeiten gemeinsam an Interventionen, die auf eine Änderung des familiären Systems abzielen und einen befreienden Dialog sowie eine positive Gegenseitigkeit bewirken. - PS

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