Zum Tode von Dr. med. Max-Otto Bruker
Dr. med. Max-Otto Bruker erfreute sich einer extraordinären Bekanntheit. An dem Krankenhaus für Naturheilweisen in Bremen bei Dr. Schlütz in der klinischen Homöopathie hervorragend ausgebildet, leitete er als Internist das kleine Krankenhaus Eben-Ezer in Lemgo. Ursprünglich Psychotherapeut, gehörte er noch zu jener Ärztegeneration wie meine ehemaligen Chefs, die gleichzeitig eine Praxistätigkeit ausübten, die wirklich praxisbezogen war, und diese Fähigkeit in die klinische Tätigkeit einwirken ließen, statt klinische Methoden auf die Praxis übertragen zu wollen. Als ich 1965 nach Detmold kam, nahm ich sofort Verbindung mit ihm auf und es entwickelte sich sehr bald ein freundschaftliches Verhältnis. Monatliche Treffen der homöopathischen Kollegen fanden bei ihm statt, er imponierte uns durch seine brilanten Kenntnisse und technischen Fähigkeiten wie Neuraltherapie u.a.m., aber auch durch sein Arbeitspensum. In seiner Klinik tat er Wunder, wobei das strenge frischkostorientierte Ernährungsprogramm einen nicht geringen Anteil hatte. Meine schwer herzkrank eingewiesenen Patienten bekam ich entwässert und rekompensiert drei bis vier Wochen wie neugeboren zurück. Damals baute er seine aufklärende schriftstellerische Tätigkeit im Kontakt mit seinem späteren Verleger, dem Zahnarzt Dr. J. G. Schnitzler, aus, der durch die Aktion Mönchweiler berühmt geworden war. Schnitzler war es durch Aufklärung der Bevölkerung über die Schädlichkeit des Industriezuckers innerhalb eines Jahres gelungen, den Gebißverfall in Mönchweiler zu stoppen. Wie oft trat er im Landesverband NRW des DZVhÄ als Redner auf, er hat ganze Ärztegenerationen impulsiert. Da Bruker mehrere Prozesse hinter sich hatte, wo er sich wegen seiner Antizuckerkampagnen verteidigen mußte, beschloß er, zum Gegenangriff überzugehen, um die Bevölkerung von der stoffwechselkrank machenden Fehlernährung zu warnen. Er war deshalb sehr froh, als ich 1966 die Leitung vom Arbeitskreis homöopathischer Ärzte übernahm und er sich der Volksaufklärung und anderer Pioniertätigkeiten mehr widmen konnte. Seine Idee, Bäckerkurse zu halten, um sie die Vollkornbäckerei selbstvermahlenen Getreides zu lehren, hat eine ganze Reihe von Bäckern reich gemacht. Gerade mit dem sogenannten Vollkornbrot wird ja die Bevölkerung oft getäuscht, indem auf der Schnittfläche ganze eingebackene Körner auftauchen, das Brot jedoch aus dem üblichen Kluntsch besteht und aufgrund der Färbung mit Sirup suggeriert wird, es wäre wertvoll durch Verwendung dunklen Mehles. Vollkornbrot ist aus dem vollen Korn hergestellt, das frisch vermahlen ohne Lagerung sofort verbacken wird und das sich durch Vitalstoffreichtum auszeichnet. Der Genuß von Industriezucker ist deshalb so schädlich, weil er das Blut sauer macht, dadurch die Mineralstoffe den aufbauenden Körpersäften entzieht und die Konstitution vorzeitig schwächt, so daß viele Allergien durch Zuckergenuß begünstigt werden. Sämtliche Zivilisationskrankheiten sind überwiegend dem durch Zucker entstandenen süchtig machenden Vitalstoffmangel anzulasten. Es ist kein Wunder, daß Dr. Bruker starke Gegner hatte, insbesondere als er auch noch einige Jahre die Präsidentschaft vom Weltbund zum Schutze des Lebens übernahm, sich für die biologische Landwirtschaft und die Müllkompostierung einsetzte und vor der Einführung von Atomkraftwerken warnte. Deshalb wurde sein Krankenhaus auch mit seiner Pensionierung geschlossen. Er aber kam erst richtig in Fahrt. Er gewann mich um das Jahr 1970 für ein homöopathisches Klinikprojekt
in Detmold und wir investierten viel Zeit und Geld. Kurz vor der Durchführung
der fertigen Planung scheiterte das Projekt am Widerstand der auf die
Kassen druckausübenden Gegenkräfte, wozu neben einigen Konzernen
leider auch nicht wenige Ärzte zählten. Die Investorgesellschaft
Medizin und Immobilie stellte Bruker dann die Klinik Lahnhöhe zur
Verfügung, während ich in meinem Detmolder Tätigkeitsfeld
mit Hospitanten und Assistenten zu arbeiten begann und mit den Spiekerooger
Wochen für Homöopathie seit 1973 das August-Weihe-Institut
für homöopatische Medizin in Detmold vorbereitete. - Bruker kam dann auf die Idee, seine segensreiche Tätigkeit durch
Ausbildung von Gesundheitsberatern zu erweitern. Durch diese sind heute
Aufklärungskampagnen selbstverständlich geworden. Das ist sozusagen
eine Graswurzelrevolution, denn die Veränderung des Gesundheitsbewußtseins
ist nur allmählich möglich. Schon Friedrich der Große
sagte anläßlich der Einführung der allgemeinen Schulpflicht
in Preußen: Heute sind die vielen Naturkatastrophen da, vor denen einsichtige Ärzte und andere Wissenschaftler bereits in den fünfziger Jahren gewarnt haben. Greenpeace und Robin Wood und viele andere mutige Organisationen haben die gleichen Gedanken, die Bruker beseelten. Er starb, 92 Jahre alt geworden, um die Jahrhundertwende. Dr. med. Manfred Freiherr von Ungern-Sternberg
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