Samuell Hahnemann 1755 - 1843  
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Mit Chinarinde gegen Malaria begann es
Aus Homöopathie-aktuell 3/2000


Wie ein homöopathisches Arzneimittel gefunden wird:

Mit Chinarinde gegen Malaria begann es

von Dr. med. Jürgen Faust

Die Homöopathie ist eine natürliche Therapie. Sie fordert die Selbstheilungskräfte des Menschen heraus. Bei einer Krankheit wird der Organismus durch den Reiz des Arzneimittels zur Mithilfe stimuliert. Jeder einzelne Kranke muß ganz persönlich in seinem Krankheitszustand angesprochen werden.

Eine Schematisierung ist bei dieser Art Therapie nicht möglich. Es gibt z. B. kein allgemein anwendbares „Anti-Grippe-Mittel“, sondern jeder Patient benötigt seine persönliche Arznei. Da Homöopathie als gezielte individuelle Reiztherapie den gesamten Menschen in seiner körperlichen, gefühlsmäßigen und seiner Geistes- bzw. Verstandsebene einbezieht, ist das Finden von Arzneimitteln durch Reihenversuche im Reagenzglas und am Tier nicht möglich.


Woher also nehmen wir unsere Arzneimittel?
Wir wissen, daß Samuel Hahnemann der Begründer der Homöopathie ist, aber ihm standen ja noch nicht die homöopathischen Medikamente zur Verfügung. Wir wollen seinen Weg verfolgen. Bei der Ubersetzung einer englischen Arzneimittellehre kamen Hahnemann derartige Zweifel über die Richtigkeit des Geschriebenen, daß er sich entschloß, es selbst zu überprüfen. Er nahm pulverisierte Chinarinde ein und beobachtete die Wirkung. Als Gesunder bekam er Fieber, das nach vier Stunden wieder verschwand und sich durch jede erneute Einnahme wieder hervorrufen ließ. Danach war er wieder vollkommen gesund.

Er wußte als Arzt, daß man mit Chinarinde Malaria heilen konnte, und ihm fiel auf, daß die Chinarinde in ihm - einem Gesunden also - einen malariaähnlichen Zustand erregt hat. Hahnemann zog nun als Erster den richtigen Schluß, daß eine Substanz, die bei einem Gesunden vorübergehend einen „Krankheitszustand“ hervorrufen kann, einen ähnlichen, echten Krankheitszustand heilen kann (Ähnlichkeitsgesetz).

Aus diesem Grunde führte er in den folgenden Jahren weitere Versuche durch. Zuerst an sich, dann mit seinen Familienangehörigen und anderen Ärzten. Er prüfte Substanzen, von
denen er aufgrund seines botanischen und chemischen Wissens eine Wirksamkeit erwartete.

Arzneimittelprüfung damals
Eine solche Arzneimittelprüfung ging zu der damaligen Zeit etwa wie folgt vor sich: Ausgeführt wurde sie in kleinen Gruppen mit einem Prufungsleiter und einigen Prüfern. Die Prüfer mußten gesund sein und eine kritische und schaffe Beobachtungsgabe besitzen. In regelmäßigen Abständen, z.B. einmal täglich, wurde eine Prüfsubstanz eingenommen. Dies konnte eine Zubereitung aus einer Pflanze, einem Mineral, Salz, Metall oder tierischem Stoff sein, meist verdünnt und potenziert.

Jeder Prüfer mußte nun genauestens täglich Buch führen über alle Krankheitszeichen, die sich bei ihm eingestellt hatten. Dazu gehörten Symptome der körperlichen Ebene (z. B. Fieber, Husten) ebenso wie solche der Gefühlsebene (z.B. Weinerlichkeit, Depression) und der geistigen Ebene (z. B. verminderte Gedächtnisleistung). Hahnemann als Leiter mußte in mühevoller Kleinarbeit die aufgetretenen Symptome ordnen, aufzeichnen, zusammenstellen und bewerten. Eine schwierige und zugleich verantwortungsvolle Aufgabe, denn von der Aufzeichnung der Arzneimittelprüfung hing ja der Erfolg beim Kranken ab.

Das damals gefundene Ähnlichkeitsgesetz - „daß Ähnliches Ähnliches heilen möge“ - bildet zusammen mit der Arzneimittelprüfung bis heute zwei wichtige Grundsteine der Homöopathie. Die Arzneimittelprüfung am gesunden Menschen fördert die Symptome zutage, die der wirklichen Krankheit ähnlich sind. Durch diese Prüfung sind alle unsere homöopathischen Arzneimittel gefunden worden.

Und heute?
Wie sehen solche Prüfungen nun heute aus? Kann noch auf gleiche Art und Weise geprüft werden? Oder stellt sich in der heutigen Zeit, rund 150 Jahre später, die Problematik ganz anders dar?

Der homöopathische Arzneimittelschatz hat sich mittlerweile beträchtlich erweitert, man zählt etwa 2.000 Arzneimittel. Zum Teil sind diese Arzneimittel hervorragend geprüft, aber eben nicht alle. So konzentriert sich die Arbeit heute zum einen auf die Neuprüfung von Mitteln, um die Symptomatik den Ärzten zugänglich zu machen. Immer wieder suchen und bringen Forscher Arzneien aus Ubersee. Von der dortigen Naturheilmedizin angeregt, erhofft man sich eine heilbringende Wirkung von der homöopathisch potenzierten Zubereitung.
Es werden heute also Arzneimittelprüfungen in vielen kleinen Gruppen und homöopathischen Arbeitskreisen wie auch in großangelegten Studien durchgeführt.

Das hört sich sehr positiv an, kann aber leider nicht über eine Schattenseite hinwegtäuschen. Eigentlich müßte die Arbeit wesentlich intensiver vorangetrieben, viel mehr Mittel müßten unter verbesserten Bedingungen geprüft werden.

Zwei Faktoren - Zeit und Geld - schränken die Arbeit ein. Die Prüfung in kleinen Gruppen muß meist von idealistischen - schon in einer übervollen homöopathischen Praxis arbeitender - Kollegen in der Freizeit durchgeführt werden. Hier und für die großen Studien fehlt es an Geld. Dabei könnte man sicher mit einem Bruchteil der Geldmittel auskommen, die für die vielen Prüfungen der allopathischen Arzneimittelsubstanzen benötigt werden. Der Vorteil läge klar auf der Hand: Tierversuche wären überflüssig, der Mensch liefe nicht Gefahr, die schädlichen Nebenwirkungen an sich selbst auszutesten, da homöopathische Arzneimittelprüfungen - richtig durchgeführt - vollkommen unschädlich sind.

Zum anderen konzentriert sich die Prüfungsarbeit aber auch auf Nachprüfungen bereits geprüfter Substanzen. Dies wird zum Teil in großem Stil angelegt.


Doppelblindversuch
Im sogenannten „Doppelblindversuch“ wird von den „Test-Ärzten“ drei Wochen lang eine Substanz geprüft. Weder der Prüfungsleiter noch die Prüfer wissen, welches Arzneimittel sie einnehmen. In einem Teil der Prüffläschchen ist sogar keine Arzneisubstanz enthalten (sog. Placebos).

Jeder Prüfer muß täglich exakt „buchführen“ über alle Symptome, die er an sich bemerkt hat und das Protokoll anschließend zur Auswertung zurückschicken.

Auf diese Weise ist eine nach naturwissenschaftlichen Gesichtspunkten ausgerichtete Prüfung entwickelt worden, mit der statistisch - mit Hilfe von Computertechnik ausgewertet - ein Wirksamkeitsnachweis geführt werden kann.

Bei den bisherigen Prüfungen konnte statistisch signifikant gezeigt werden, daß sich die Arzneimittelgruppe eindeutig gegen die Placebogruppe unterscheidet. Zweitens wurden die alten Prüfungen bestätigt. Die ersten Ergebnisse sind im „Archiv für Homöopathische Arzneimittelforschung“ (Haug-Verlag) über Berberis vulgaris dokumentiert.

(Erstveröffentlichung HÖ-aktuell 1/86 + 1/87)

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